Richtiges Messen an elektrischen Anlagen
Dieser Beitrag richtet sich vor allem an „Heimwerker“, die an ihren Anlagen "rumschrauben".
Da in Deutschland zwar (fast) jeder seine Leuchten selber anklemmt, aber kaum einer so wirklich weiß, was er da tut, habe ich diesen Beitrag verfasst. Es geht darum, wie man richtig misst.
Warum ist (richtiges) Messen richtig?
Es gibt zwar Adernfarben, d. h. jede Ader hat eine Farbe wie z.B. braun, schwarz, blau, grau, grün-gelb oder rot aber 1. ist die Beschaltung nicht einheitlich bzw. sie ist falsch ausgeführt worden und 2. kann eine Ader auch mal brechen bzw. sie ist nicht angeklemmt. Die Belegung der Adern und mögliche Fehlerkann man nur durch Messen feststellen.
Wie wird gemessen?
Spannungen herrschen immer zwischen 2 Punkten, daher misst man 2polig. Darauf gehe ich gleich noch genauer ein.
Was benötigt man zum Messen?
Zum Messen benötigt man einen 2 poligen Spannungsprüfer. Der bekannteste ist wohl der „Duspol“ der Firma Benning. Hier ein Link, wo man sich solche Geräte anschauen kann:
Benning Messgeräte
Ich selber benutze einen etwas älteren Duspol Typ S (analog), der aber hier nicht mehr aufgeführt wird.
Ein 2-poliger Spannungsprüfer ist ab ca. 20 € zu bekommen. Falls man das nicht investieren möchte, kann man sich aber auch einen leihen. Ich bin jedoch der Meinung, dass man sich einen kaufen sollte, der hält ein Leben langund man kann ihn bei jedem Umzug brauchen.
Hier zwei Spannungsprüfer, die geeignet sind:
Was ist zum Messen ungeeignet?
Gänzlich ungeeignet ist der sogenannte einpolige Prüfschraubendreher. Man nennt ihn auch „Lügenstift“, da er nicht zuverlässig anzeigt. Eigentlich misst er ja nicht einpolig, sondern auch 2-polig. Und zwar muss man das metallene Ende des Schraubendrehers anfassen und es fließt ein für den Menschen ungefährlicher Strom. Aber genau da liegt das Problem: der Strom ist zu gering, um vernüftig zu messen. Außerdem kann es bei guter Isolierung des Menschen durch z.B. Gummisohlen, Holzleitern etc. dazu kommen, dass der Stift gar nicht leuchtet, obwohl Spannung anliegt. Daher bitte höchstens zum Schrauben verwenden, nicht zum Messen.
Multimeter sind auch ungeeignet, da sie hochohmig sind und Spannungen zu messen sind, welche bei geringster Belastung zusammenbrechen und daher unbedeutend sind. Mit einem Multimeter kann z.B. nicht sicher festgestellt werden, ob der Schutzleiter durchgängig ist, da eben ein sehr geringer Strom fließt, der nichts bzw. kaum etwas über die Durchgängkeit aussagt. Die Spannungsquelle muss belastet werden (mit einem weiter oben dargestellten 2-poligen Spannungsprüfer).
Ungeeigneter Prüfschraubendreher:
Sicherheit...
Natürlich muss man aufpassen, dass nur das Messgerät mit aktiven, also unter Spannung stehenden Teilen in Verbindung kommt. Niemals Drähte in die Hand nehmen, solange sie unter Spannung stehen! Am Besten wäre es, wenn ein 2. Person in der Nähe ist, die im Ernstfall Hilfe leisten kann. Weitere Sicherheitsregeln finden sich hier:
Sicherheit hat bei der Elektroinstallation Vorrang
Noch ein wichtiger Hinweis: es kann sein, dass es trotz des Messens noch versteckte Fehler gibt. Daher ist es natürlich am sichersten, den Anschluss von einer Elektrofachkraft durchführen zu lassen. Dieser Beitrag soll nur Hilfestellung geben. Ich garantiere weder für Vollständigkeit, noch für Richtigkeit.
Die Messung ansich
Jetzt komme ich zum eigentlichen „Messvorgang“.
Beispiel 1: Anschluss einer Leuchte der Schutzklasse 1 (Metallgehäuse, welches mit dem Schutzleiter verbunden werden muss.)
Wir finden an der Anschlussstelle 3 Adern: braun, blau und grün-gelb. Falsch wäre, einfach die blaue Ader des Anschlusses auf die blaue Ader der Leuchte zu klemmen, die braune Adern auf die braune der Leuchte und die grün-gelbe Ader auf die Schutzleiterschraube bzw. die Schutzleiterklemme.
Denn: um sicherzugehen, dass der Anschluss in Ordnung ist, muss nachgemessen werden.
Man misst zwischen allen Adern, also einmal braun gegen blau, einmal braun gegen grün-gelb und blau gegen grün-gelb. Misst man folgende Werte, ist der Anschluss ok:
braun – blau 230 V
braun – grün-gelb 230 V
blau – grün-gelb 0 V
Es lässt sich schlussfolgern, dass es sich bei der
braunen Ader um den Aussenleiter („Phase“), abgekürzt mit L oder L1,
bei der blauen Ader um den Neutralleiter („Nulleiter“[zwar eigentlich falsch, der Begriff ist aber sehr verbreitet]) abgekürzt mit N
und bei der grün-gelben Ader um den Schutzleiter („Erde“) abgekürzt mit Pe handelt.
Nun kann die Leuchten wie beschrieben angeschlossen werden.
Hinweis: Bei älteren Installationen kann die braune Ader schwarz sein.
Sollten andere Werte gemessen werden, so sollte die Installation (spätestens) jetzt von einem Fachmann begutachtet werden.
Beispiel 2: Wie vorher, nur mit anderen Adernfarben
Nehmen wir jetzt an, wir hätten die Adernfarben schwarz, grau und rot.
Schwarz müsste der Aussenleiter, grau der Neutralleiter und rot der Schutzleiter sein. Zumindest kann das sein. Möglich ist auch, und das war sogar legal, dass rot kein Schutzleiter, sondern ein Aussenleiter ist. Es wäre gefährlich, die Leuchte ohne Messen anzuklemmen.
Es müssten sich folgende Werte messen lassen:
schwarz – grau 230 V
schwarz – rot 230 V
grau – rot 0 V
=> schwarz: L
=> grau: N
=> rot: Pe
Beispiel 3: Anschluss einer Leuchte an einen Anschluss mit nur 2 Adern.
Wenn sich zwischen den beiden Adern 230 V messen lässt, kann eine Leuchte der Schutzklasse 2 angeklemmt werden
(sie trägt dieses Zeichen:).
Ich werde hier jetzt nicht darauf eingehen, wie eine Leuchte mit Schutzklasse 1 (also mit Metallgehäuse, dass an den Schutzleiter angeschlossen werden muss) angeschlossen wird. Dies ist mit erhöhten Risiken verbunden und daher sollte die Installation nur von einem Elektriker ausgeführt werden. Eventuell ist es gar nicht möglich, hier eine Leuchte der Schutzklasse 1 anzuschließen.
Weiteres
Die Messung an Steckdosen und anderen Betriebsmitteln ist ähnlich, auf Wunsch erläutere ich das auch noch....
Ich hoffe, es ist klar geworden, warum das Messen so wichtig ist. Auf Adernfarben kann man sich nie verlassen!




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und man kann ihn bei jedem Umzug brauchen.
). 




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