Seit gut einem halben Jahr führe ich die wiederkehrende Prüfung von ortsveränderlichen Geräten in den Betriebsstätten (hauptsächlich Büros und Werkstätten) meines Großunternehmens (=wo ich angestellt bin) durch. Die Normen kenne ich, nur leider sieht die Praxis oft anders aus.
Da die Prüfungen nicht neu sind, hoffe ich das hier vielleicht Kollegen mitlesen, die mehr Erfahrung haben als ich.
Probleme bzw. Bauchschmerzen macht mir eigentlich nur die Schutzleiterprüfung bei zwei Geräten: vielen Kaffeemaschinen und Untertischgeräten (für Heißwasser).
Grundsätzlich messe ich mit 10A Messstrom. Ausnahme sind IT-Geräte. Da gehe ich nur mit 200mA heran (nach Empfehlungsvorgabe des Messgeräteherstellers). Laut VDE0701-0702 sind 200mA das minimum, wobei nach oben hin wohl keine Grenzen festgelegt ist. Die Messung mit 200mA ist jedoch deutlich schwieriger wie mit 10A! Zu den Problemgeräten:
Kaffeemaschinen: Haben die Kaffeemaschinen offene metallischen Heizplatten ist die Messung eigentlich problemlos. Sind sie teflonbeschichtet oder gibt es keine klassische Heizplatte, wird die Sache schon schwieriger. Oft gehe ich dann durch Lüftungsschlitze mit einer schmalen Messspitze, um an etwas metallischen zu kommen. Auch bei vielen Verntilatoren gehe ich so vor. Doch es gibt auch viele Kaffeemaschinen, da finde ich schlichtweg gar nichts! Was mache ich nun?
Zu Anfang habe ich die Maschine dann als Schutzklasse 2 Gerät behandelt. Also Iso-Messung gegen ungeerdete metallische Teile (sofern vorhanden) und Berührungsstrommessung gegen selbigen. Aktuell bin ich dazu übergegangen, die Iso-Messung gegen den Schutzleiter durchzuführen und auch die Ableitströme des Schutzleiters zu messen. Denn nur diese Messung bringt überhaupt Resultate. Zusätzliche führe ich auch noch die Berührungsstrommessung gegen nichtgeerdete metallische Teile durch. Das sind aber höchtens mal metallische Schrauben im Plastikgehäuse oder lose Blechplatten zum Abstellen der Kaffeetassen. Als Muster-Negativbeispiel ist da die Philips Senseo HD 7810 zu nennen.
Wie geht ihr da vor? In der VDE steht ja nicht, was zu tun ist, wenn die Schutzleiterwiderstandsmessung nicht möglich ist.
Heißwassergeräte untertisch (eigentlich zählen sie als ortsfest, aber ich muss sie trotzdem prüfen): Meist von AEG oder Stiebel Eltron. Hier ist es ähnlich wie bei den Kaffeemaschinen: Wenn ich das Stellrad abziehe, kommt die Metallwelle und oft zwei Schrauben daneben zum Vorschein. Hier kann ich zwar messen, ich habe aber kurioserweise immer nur Werte zwischen 1-2 Ohm. Da der Schutzleiterwiderstand aber < 0,3Ohm sein muss, müsste ich nahezu alle Heißwassergeräte durchfallen lassen! Das kann doch nicht sein? Ich kann und möchte die Heißwassergeräte auch ungern auseinanderschrauben. Das habe ich einmal gemacht und auch einen direkten Schutzleiter gefunden, den ich dann messen konnte. Nur ist das abnehmen des Gehäuses und insbesondere das wiederzusammenbauen sehr zeitintnsiv. Bei vielen Geräten ist auch das Siphonrohr davor, so dass ich das Gehäuse gar nicht abnehmen könnte. Ich will ja nicht auch noch das Siphonrohr ausbauen (bin Elektriker und kein Gas-Wasser Installateur) - nachher ist es beim Zusammenbau nicht mehr ganz dicht oder ähnliches und ich hafte noch für Wasserschäden!
Oft habe ich auch das Problem, dass ich an Steckdosen schlichtweg gar nicht heran komme, weil schwere Möbel oder gar Küchenzeien davor sind. Was soll ich dann beispielsweise mit einer Verlängerung machen, die so eingesteckt ist?
Letzter Punkt: Geräte mit Kaltgeräte-Anschlussleitungen. Prüft ihr die Anschlussleitungen separat? Laut meiner letzten Schulung soll ich den Quatsch nun machen. Nur was soll das? Wenn die Messwerte von Schutzleiterwiderstand und Isolation der Anschlussleitung _MIT_ Gerät in Ordnung ist, dann sind auch die Werte ohne Gerät in Ordnung! Jetzt habe ich doppelte Arbeit, weil ich Gerät UND Anschlussleitung separat in Inventar aufnehmen muss, sowie zwei Plaketen kleben und bei der nächsten Prüfung logischerweise auch zwei Plaketen wieder runterkratzen muss. Im Büroumfeld gibt es nämlich nicht wenige Geräte mit Kaltgeräteleitung!
Nebenbei bemerkt: Bei mir fallen in der Praxis die Geräten zu 99% auf Grund der Sichtprüfng durch (beschädigte Anschlussleitungen/Gehäuse). Ich habe bisher nur ganz ganz wenige Geräte gehabt, die mal auf Grund der Messwerte durchgefallen sind. Und ich habe schon mehrere tausend Geräte geprüft! Sind eure Erfahrungen ähnlich?




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