Frage zur Blitz-"unkritischsten" Verlegung von Sat-Kabeln auf Spitzboden

Diskutiere Frage zur Blitz-"unkritischsten" Verlegung von Sat-Kabeln auf Spitzboden im Blitzschutz, Erdung, Potentialausgleich Forum im Bereich ELEKTROINSTALLATION; Bin gerade dabei, eine neue Sat-Schüssel zu installieren. Mast ragt gut 1 m aus dem Dach, noch weit unterhalb First. Frage: Wie verlege ich die...

  1. #1 Stefan Martens, 20.07.2021
    Stefan Martens

    Stefan Martens Schlitzeklopfer

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    Bin gerade dabei, eine neue Sat-Schüssel zu installieren.
    Mast ragt gut 1 m aus dem Dach, noch weit unterhalb First.

    Frage:
    Wie verlege ich die Antennenkabel unterhalb der Dachhaut am besten, so dass sie blitz-technisch die geringste "Anziehungskraft" haben?

    Konkret geht es um die Frage,

    Ist ein Kabel,
    • das über eine Strecke von 2 m parallel zu den Dachlatten unterhalb der Dachhaut verlegt wird, empfänglicher für Blitze
    • als ein Kabel, das wie eine Wäscheleine von einer Dachseite zur anderen verlegt wird.
    Danke für eure Antworten im Voraus!
     
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  3. gert

    gert Freiluftschalter

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    Ein Kabel, das parallel zu den Dachlatten verlegt wird, ist für den Blitz genauso uninteressant, wie als wenn das quer zum First verlegt wird. Interessanter ist die Frage, wo das Kabel beginnt und endet.

    Gruß Gert
     
  4. #3 Stefan Martens, 20.07.2021
    Stefan Martens

    Stefan Martens Schlitzeklopfer

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    Danke für die Antwort!

    Das Kabel, das wie eine Wäscheleine gespannt ist, ist eben weiter entfernt von der Dachhaut (den Dachpfannen).
    Das war meine Idee. Dass ein Kabel, welches weiter innen verläuft (nicht so nah an der Außenhaut), weniger "empfänglich" sein könnte.
    Denn es ist so natürlich kaum kapazitiv an die Dachhaut gekoppelt - ganz im Gegensatz zu einem Kabel was parallel zu den Dachlatten verläuft.

    Beginn der Kabel (in Summe sind es 4, da Quad-LNB):
    • Natürlich an den LNB-Ausgängen.
    Ende der Kabel:
    • Zwei im OG, also im Geschoss unter dem Spitzboden
    • Eines im EG
    • Das vierte ist Reserve
    Alle verlaufen in Leerrohren und sind am Ende direkt an Sat-Receivern angeschlossen

    Die Installation ist auch nicht neu, aber im Rahmen eines Austausches der 25 Jahre alten Schüssel und des 12 Jahre alten LNB wollte ich auch die Kabel etwas "sauberer" auf dem Spitzboden verlegen. Momentan gibt es diese "Wäscheleinen-Lösung " - und zwar seit über 25 Jahren!

    Als Dipl.-Ing. E-Technik (Schwerpunkt HF-Technik) bin ich sozusagen auch vom Fach, aber bzgl. Blitzschutz ohne wirkliche Erfahrung. Daher meine Frage.
    Bin für jeden Tipp dankbar!

    Gruß

    Stefan
     
  5. gert

    gert Freiluftschalter

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    Dann bist Du doch im "Bilde".

    Du solltest das oberhalb der Dachhaut betrachten. Und ggf. auf die Antwort von @Dipol abwarten.

    Gruß Gert
     
  6. #5 Stefan Martens, 21.07.2021
    Stefan Martens

    Stefan Martens Schlitzeklopfer

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    Wenn ich im "Bilde" wäre, würde ich ja nicht fragen... ;-)

    Und was genau soll ich oberhalb der Dachhaut betrachten?
    Dort werden die 4 Koax-Kabel durch die Strebe geführt, an der der LNB befestigt ist.
    Wie bei vielen Schüsseln üblich, ist diese Strebe zwar aus Metall, jedoch nur an der Kunststoffhalterung befestigt, an der auch die Schüssel angeschraubt ist.

    Beides ist somit - per Design - nicht geerdet.
    Bei Schüsseln in den späten 80ern, frühen 90ern war das noch anders.
    Da gab es auch noch kaskadierte Hohlleiter-Filter vor dem LNB, über 50 cm lang.
    Die habe ich dann bei mir damals teilweise ausgebaut, um die hinzukommenden Frequenzbereiche empfangen zu können ;-)
    Da konnte ich sogar noch den SAT-Receiver entsprechend umbauen, Quarze tauschen bzw. schaltbar machen.
    Das waren noch Zeiten...
     
  7. Dipol

    Dipol Lüsterklemmer

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    Nur Antennen in mit unwissenschaftlichen Maßen festgelegten Fassadenbereichen sind von blitzstromtragfähiger Erdung mit mind. 16 mm² Cu befreit. Dachantennen sind somit blitzstromtragfähig zu erden, wobei es normativ ohne Belang ist, ob und wie weit ein Dachfirst die Antenne überragt.

    Formal befinden sich Gegenstände auch unmittelbar unter den Dachplatten in Blitzschutzzone LPZ 1. Diese Frage blendet den blitzschutztechnisch viel relevanteren Fakt aus, dass auch blitzstromtragfähig ausgeführte Antennenerdungen NICHT verhindern, dass bei objektiv seltenen Direkteinschlägen Teilblitzströme in die AntennenanlageN eingekoppelt werden und - abhängig von der jeweiligen Blitzstromstärke - insbesondere empfindliche Elektronik noch zerstören können.

    Wer Schäden durch seltene Direkteinschläge verhindern will, muss schützenswerte Dachaufbuten wie u. a. Dachantennen mit getrennten Fangeinrichtungen nach Blitzkugel- oder wenigstens Schutzwinkelverfahren in LPZ 0B stellen.

    Bei erdungspflichtigen Antennen auf Schrägdächern werden die Antennenkabel gewöhnlich durch oder nahe dem Antennenträger in die Gebäude eingeführt. Die Kabelschirme sind zur Vermeidung potentiell zündender Lichtbögen nach Blitzschutzonenprinzip vorzugsweise kurz nach dem Gebäudeeintritt mit dem geerdeten Antennenträger zu verbinden.

    Ich stufe zwischen Gebäuden geführte Koaxkabel mit Tragseil als deutlich einschlaggefährdeter als unter den Dachplatten verlegte ein. Während Antennen außerhalb passiv geschützter Fassadenbereiche nach Klasse H = 100 kA blitzstromtragfähig geerdet werden müssen, ist nach dem Bild 5 der IEC 60728-11 für einen kuriosen rund durch das Gebäude geführten PA-Leiter lediglich ein Querschnitt von mind. 2,5 mm² Cu (geschützt) bzw. mind. 4 mm² Cu (ungeschützt) gefordert.
     
  8. Dipol

    Dipol Lüsterklemmer

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    KATHREIN UAS-LNB sind auch noch heute über den Feedarm mit dem Antennenträger verbunden. Aber auch das ist kein Ersatz für den nach IEC 60728-11 obligatorisch geforderten PA der Kabelschirme an die geerdeten Antennenträger.

    Als noch mit dem Feedarm galvanisch verbundene LNB üblich waren, hatten von HIRSCHMANN und fuba vertrieben VARIOSAT-Antennen eine Schraube um den Feedarm mit einem Edelstahlband oder 4 mm² Cu mit dem geerdeten Antennenträger zu verbinden. Wie bei den UAS-LNB ist auch das kein Ersatz für die früher üblichen Erdungsschienen in Klemmtechnik oder zeitgemäße Erdblöcke/Erdwinkel mit Verbindung zum Antennenträger.
    .
    LNB-PA_FESAT 850.jpg
     
  9. Stefan Martens

    Stefan Martens Schlitzeklopfer

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    Erstmal besten Dank für die ausführliche Antwort!

    Verstehe ich es richtig, dass die "sicherere" Verlegung der gegenständlichen Leitung die Alternative 1 "Wäscheleine" von der Südseite des Daches zur Nordseite wäre,
    anstatt sie (Alternative 2) parallel zu den Dachlatten der Dach-Südseite bis zur Giebelwand, dann entlang der Giebelinnenwand und dann weiter parallel zu den Dachlatten der Dach-Nordseite zu führen - bis zum Leerrohr ins EG in der Mitte der Dach-Südseite.

    Bei der Alternative 2 - U-förmige Kabelführung - wäre die Kabellänge und damit die Dämpfung ja zusätzlich auch noch höher.

    Natürlich führe ich - wie bei der zu ersetzenden Installation - die Antennenkabel nahe dem Antennenträger ins Gebäude.
    Was die Verbindung von Kabelschirmen mit dem geerdeten Antennenträger betrifft, habe ich bei diversen Antennenanlagen (auch meinen früheren Amateurfunk-Antennen) immer wieder Probleme mit Ausgleichströmen, (un)gewollten Ableitströmen, Brummspannnungen,... gehabt, so dass ich davon die letzten 30 Jahre keinen Gebrauch mehr gemacht habe.

    Danke nochmal!

    Gruß

    Stefan
     
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  11. #9 Dipol, 22.07.2021 um 21:37 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 22.07.2021 um 21:47 Uhr
    Dipol

    Dipol Lüsterklemmer

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    Da nach IEC 62305-3 zu berechnende Trennungsabstände nur gegen Blitzschutzsysteme und damit verbundene metallische Hausteile sowie gegen getrennte Fangstangen (u. a. von Antennen) und deren Ableitungen einzuhalten sind gilt: Ohne LPS dürfen Koaxleitungen nahe zur Dachhaut und auf beliebigen Trassen verlegt werden. Auch ohne LPS fühle ich mich mit zunehmendem Abstand wohler.

    Je kürzer die Kabel und je kleiner die umfasste Schleifenfläche, umso besser. Daher plädiere ich für die kürzere Koaxtrasse. Blitzschutztechnisch deutlich größere Relevanz sollte die Trasse haben, auf welcher der Erdungsleiter geführt ist und ob die Verbinder nach Klasse H = 100 kA blitztromtragfähig sind. Es scheint noch nicht angekommen zu sein, dass den Kabeln die größte Gefahr von Teilblitzströmen aus einem Einschlag in die Antenne droht.

    Obwohl Direkteinschläge selten sind und weit weniger Schäden als indirekte Blitzauswirkungen und Schalthandlungen verursachen, die über Energie- und TK-Leitungen ins Gebäude eindringen können, stehen sie in den Foren im Fokus. Mit der ausschließlichen Fixierung auf die Koaxtrasse bei Antennendirekterdung unbekannter Ausführung wird das noch getoppt und relevantere Blitzschutzfragen komplett ausgeblendet.

    Das bietet sich bei Schrägdachantennen an, ist aber nicht zwingend.

    Jeder ist für seine Handlungen verantwortlich. Kein Potentialausgleich = kein Schutz gegen den elektrischen Schlag: Die zusätzliche Brandschutzfunktion von "mastnahem" PA wurde bereits erwähnt. Dass speziell der aus Unwissen meist fehlt, macht eigene Normverstöße nicht besser.

    Die These, dass man ausgerechnet durch Ableitströme verursachte Probleme durch unterlassenen PA beseitigen kann, finde ich reichlich schräg. Selbst bei von blitzstromtragfähiger Erdung befreiten Unterdach- oder Fassadenantennen ist ein PA vorgeschrieben, wenn mehr als eine Wohnung angeschlossen ist oder das im Dezember von 3,5 auf ab 5,0 mA(eff) erhöhte Limit der Ableitströme überschritten wird.

    Ein ehemaliger OM könnte noch wissen, dass für CB- und Amateurfunk in Deutschland nicht die DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) sondern die DIN VDE 0855-300 (noch) zuständig ist und in der schon immer eine enge PA-Vermaschung gefordert wurde.
     
  12. Stefan Martens

    Stefan Martens Schlitzeklopfer

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    Bitte zu beachten, dass ich mich in "fortgeschrittenem" Alter befinde, und daher vielleicht die eine oder andere Frage stelle, die ich mir vor 20 Jahren noch selbst beantworten hätte können.

    Da du den Begriff OM verwendest, nehme ich an, du bist/warst auch Funkamateur? Auch das ist bei mir schon Jahrzehnte her :-(
    Damals hieß das noch B-Lizenz - heute glaube ich heißt es anders…

    Zu deinen Ausführungen
    Danke für die Bestätigung meiner Auffassung!
    Für mich ist die größte Gefahr ein möglicher Brand. Angeschlossene Geräte wären sicher der deutlich kleinere Verlust. Hatte vor vielen Jahren bei einem Einschlag in ein Nachbarhaus - 25 m entfernt => Schäden durch Potenzialanhebung auf der Niederspannungsseite…
    Die Anmerkung verstehe ich nicht :-(
    Was heißt "mastnah"? Ich kann es ja nicht ändern, dass sich die PA-Schiene in der Mitte einer Giebelwand befindet, und es von dort einige Meter bis zum Mast sind. Aber auch hier wäre ich für Optimierungsvorschläge der Leitungsführung dankbar.
    Ich war noch auf dem Stand 3,5 mA, die sich aber durch eine größere Anzahl von Geräten durch deren Y-Kondensatoren auf ganz erhebliche Werte erhöhen können. Und darauf hat der Elektroinstallateur keinen Einfluss, was die Wohnungsinhaber anschließen.

    Trennübertrager wären bei Empfangsanlagen eine Möglichkeit - widerstreben mir im GHz-Bereich ein wenig…
    Hier ist das Problem, dass - seit ich nicht mehr berufstätig bin - ich keinen Zugriff mehr auf irgendwelche Normen habe und diese ja nur für teures Geld zu erhalten sind!?
     
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