Was ist der Unterschied zwischen einem Funktionspotentialausgleich und Schutzpotentialausgleich?

Diskutiere Was ist der Unterschied zwischen einem Funktionspotentialausgleich und Schutzpotentialausgleich? im Blitzschutz, Erdung, Potentialausgleich Forum im Bereich ELEKTROINSTALLATION; War die Erdungsschiene am Fundamenterder (Breite Lasche - oder sonstige Erder) angeschlossen, handelte es sich um die Haupt-Erdungs-Schiene (HES)....

  1. #21 Dipol, 20.03.2024
    Zuletzt bearbeitet: 20.03.2024
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    Das ist eine private Definition, die mit IEV nicht übereinstimmt.

    Alle Potentialausgleichs- und Erdungsleiter für Schutz- wie auch Funktionszwecks sind entweder über die international MET genannte HES oder mit Erdungsanlagen vom Typ B besser niederimpedant über eigene Anschlussfahnen zu verbinden. Siehe DIN 18014:2023-06.
    Es gibt zwar auch namhafte Fachautoren die ihre Privatmeinung über DIN VDE 0100-712 und DIN EN 62305-3, Bbl. 3 stellen, aber im Gegensatz zum ÖVE ist bei uns ohne LPS eine Funktionserdung der Traggestelle nur empfohlen und keine Plicht.

    Funktionserdungen dienen ausdrücklich NICHT dem Schutz gegen den elektrischen Schlag.
    Nach Reihe IEC 62561-x gibt es für Verbinder und Leiter die Blitzstromtragfähigkeit nach den Klassen N mit 50 kA und H mit 100 kA. Wo sich Blitzströme auf mehr als 2 Pfade aufgeteilt haben genügt Klasse N.

    Eindrähtige Erdungsleiter waren ausschließllich temporär für Antennenerdungen nach IEC 60728-11 und DIN VDE 0855-300 und NIE im Blitzschutzbau. Dieser Irrweg wurde in DIN VDE 0855-300:2002-07 und mit Verzögerung auch in der IEC 60728-11:2011 vor mittlerweile 13 Jahren aufgegeben.
    Die Farbkennung PINK für Funktionserdungsleiter ist noch relativ neu und stammt aus der internationalen IEC 60445 und in die harmonisierte DIN EN IEC 60445 (VDE 0197):2023-02 als ROSA eingeflossen. Also keine rein deutsche Festlegung und auch in deutschen Gremien heftigst umstritten.
    Bei DEHN hat man gewiss nix anderes gelehrt als dass Blitzströme an allen Näherungen überspringen können. Faustformel für den TA bei einem Leiter in LPL 3: 4 % in Luft und 8 % durch und über feste Stoffe von der Länge des Bezugspunkts zur Potentialausgleichsebene.
    An einer gemeinsamen Erdungsanlage JA, an einer Stelle NEIN. Denn sonst wären Anschlussfahnen für Ableitungen von Blitzschutzsystemen direkt an Fundament- oder Ringerder unzulässig.
     
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    Hallo Forum

    @Dipol


    Das war so gedacht, dass sich keine unterschiedlichen Potentiale aufbauen können. Also alles - Innen und Aussen muss verbunden sein, da sonst "Kondensatorbildung".

    Sat- und Antennenanlagen hat man immer eindrähtig ausgeführt - zu meiner Zeit jedenfalls.
    Ich weis das, weil es eine mühselige und schweisstreibende Arbeit war, diese Leiter zu verarbeiten. :wink:

    Und Blitzschutz sowieso. Dort hat man aber - aus Kostengründen - verstärkt auf Aluminium gesetzt.
    Wenn ich mir hier in der Schweiz bei Wanderungen die Berghütten ansehe, staune ich immer wieder über die massiven Fangeinrichtungen.

    Eine Nacht in einer Bergpension bei Gewitterwetter lässt dich dann auch ganz schnell begreifen, warum in den Bergen die Blitzschutzanlagen in der Regel ein paar Nummern grösser sind, als bei uns.

    Ich bin, was den Blitzschutz betrifft, nun einmal ein Fan von Massivleitern. Auch wenn ich weis, dass mehrdrähtige Leiter physikalisch den Strom besser leiten. Mechanisch sehe ich beim Massivdraht erhebliche Vorteile. Aber das ist nur meine Sichtweise...

    PS. Ich habe die Blitzfangeinrichtung einer Berghütte damals extra mit dem Handy fotographiert, weil die so unglaublich gross waren. Leider habe ich das alte Handy nicht mehr. Aber die Fangeinrichtung war unten - ich sag jetzt mal "tellergross" - und hat sich nach oben hin verjüngt, etwa in Form einer Ritterlanze, ca. 2-3 m lang. Einmords Teil und dann gleich mehrere davon... War schon beeindruckend...

    Und wie gesagt - ein Gewitter in den Bergen ist eine Erfahrung - Das staucht dich als Mensch wieder auf eine vernünftige Grösse zusammen, bei der du erkennst, dass die Natur eine Urgewalt ist und du als Mensch von ihr nur geduldet bist... :squint:

    Gruss G-Tech
     
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  4. bigdie

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    An der Stärke der Blitze ändert aber der Berg nichts, höchstens an der Häufigkeit der Einschläge.
     
  5. #24 Dipol, 20.03.2024
    Zuletzt bearbeitet: 20.03.2024
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    Gehört zwar nicht zum eigentlichen Thema aber normativ trifft das "man" nur für den alten Leiterquerschnitt von 10 mm² Cu und nach der Querschnittserhöhung auf 16 mm² Cu für die Phase des Verbots mehrdrähtiger Erdungsleiter zu.
    Blitze sind Gleichströme, verhalten sich aber wegen der steilen Stirnzei wie HF und daher wären wegen des Skin-Effekts feindrähtige Leiter vorzuziehen. Die werden im Blitzschutzbau mit hydraulisch vakuumdicht verpressten Kabelschuhen sowohl für Ausgleichsbänder und Patchkabel bis 50 kA und und in Hochspannungslaboren auch als Anschlussleitungen für höchste Blitzstrombeaufschlagungen bis 500 kA verwendet.

    Fakt ist, dass eindrähtige Leiter aus nicht nach Klasse H geprüften Verbindern durch die elektrodynamische Wucht von Blitzströmen leichter herausgezogen werden können. Fakt ist aber auch, dass man in den zuständigen Gremien erst viel später registriert hat, dass es eine Prüfnorm für Verbinder gibt und mit zertifiziertem Material auch mehrdrähtige Leiter gehalten werden.

    Bis das längst abgeschaffte Verbot mehrdrähtiger Leiter nicht mehr in den Kopfen herumspukt wird es noch dauern. Die Frage nach der Zulässigkeit mehrdrähtiger Leiter taucht immer wieder mal in Seminaren auf und bringt ab und an auch renommierte Referenten in Verlegenheit.

    Weil jede Kette nur so stark wie das schwächste Glied ist, ist es sinnfrei blitzstrombeaufschlagte Erdungs- und Blitzschutzpotentialausgleichsleiter, die per se auch seltene Blitzmonster von 200 kA ableiten können, an ungeprüfte oder nur nach Klasse N geprüfte Verbinder anzuschließen. Diese Binsenweisheit hat sich im Antennenbau noch nicht zu jedem herumgesprochen. Beim ÖVE lehnt man sich bei PV-Anlagen auf Gebäuden ohne LPS an die IEC 60728-11 an und fordert einen Funktionserdungsleiter aus 16 mm² Cu aber inplausibel keine zertifizierten Verbinder/Klemmen. :rolleyes:

    Obwohl OT zur Prophylaxe gegen Gerüchte Folien zur Blitzstromtragfähigkeit von Leitern und der Historie des Verbots mehrdrähtiger Leiter.

    IEC 62561-x (EN 50164-x)_Blitzstromtragfähigkeit_[Fo28].jpg Historie Erdungsleiter für Antennenerdungen.jpg
     
  6. Dipol

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    Schreibfehler, statt statt eindrähtige hätte es mehrdrähtige Leiter heißen müssen.

    @ Mods: Bitte den Fehler berichtigen und diesen Beitrag löschen.
     
  7. sf2201

    sf2201 Neues Mitglied

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    Der Unterschied zwischen Funktionspotentialausgleich und Schutzpotentialausgleich liegt meines Wissens in ihrem jeweiligen Zweck und Anwendungsgebiet. Der Funktionspotentialausgleich sorgt für die störungsfreie Funktion elektrischer und elektronischer Systeme, indem er Potentialunterschiede minimiert. Typische Einsatzgebiete sind IT-Systeme und Automatisierungstechnik. Der Schutzpotentialausgleich hingegen schützt Menschen und Tiere vor elektrischen Schlägen, indem er gefährliche Spannungen verhindert.
     
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  8. Dipol

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    Der Unterschied zwischen Schutz- und Funktionszwecken ist in den IEV-Defintionen klar getrennt.

    Auf einem anderen Blatt steht, dass insbesondere bei Photovoltaik-Anlagen selbst manche Sachverständige nicht zwischen einer Funktionserdung und Schutzpotentialausgleich unterscheiden und behaupten, dass Modulgestelle für PV-Generatoren fremde leitfähige Teile wären, die fremdes Potential einkoppeln könnten und einen an Schutzklasse 2-Betriebsmitteln unzulässigen Schutzpotentialausgleich propagieren. :rolleyes:

    Dass beim ÖVE aus dem gleichen HD-Dokument andere Schlüsse als nach dem "Merkblatt für PV-Installateure" gezogen werden, macht die Unterscheidung auch nicht einfacher. :confused:

    Nicht eindeutig ist hingegen die Begriffsabgrenzung zwischen Funktionserdung und Funktionspotentialausgleich und davon hängt ja auch die Farbmarkierung ab. Daher habe ich zur Einspruchsitzung zum Entwurf des Beiblatts 1 der EN 50310 des zuständigen Gremiums in zwei Wochen Fragen zutr Klärung gestellt.
     
  9. Dipol

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    Immerhin tut sich etwas bezüglich der bislang getrennten Farbmarkierungen für Funktionserdungs- und Funktionspotentialausgleichs-Leiter..

    Wie ich zufällig heute erfahren habe, wurde in IEC CD 60445:2021/AMD1 © IEC 2024, Annex A, Table A.1 – Colours, alphanumeric notations and graphical symbols used for identification of conductors and terminals, die Trennung endlich aufgehoben und PINK/ROSA einheitlich für beide Leiter geregelt.

    Wer die für Funktionszwecke untersagte Farbkennung grün-gelb favorisiert, kann seinen begründeten Einspruch bis 2024-07-05 in Englisch beim DKE/K 113 einreichen.
     
  10. #29 Strippentod, 03.06.2024
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    So ein Quatsch alles. Pink/Rosa für ne Erdung. :confused:
    Man man man...hat die Regenbogenfraktion jetzt auch schon Einzug in die VDE gehalten ? Hier wird doch was reguliert, was nicht reguliert werden muß.
    Wenn ich das meinen Kollegen morgen früh am Tisch erzähle, gibts lautes Gegröhle. :auslachen:D:D:D
     
  11. Dipol

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    Obwohl ich mit Hauptpotentialausgeich und PAS vollkommen einverstanden war, habe ich trotz meines Alters die neuen Begriffe verinnerlicht und als nicht fortbildungsresistenter RFT kenne ich sogar Sachargumente warum Leiter für Schutz- und Funktionszwecke getrennt und unterscheidbar sein sollten.
    Wenn sich aus dem Anlass einer in der Runde gegen bisherigen Usus (?) mit der noch druckfrischen DIN VDE 0100-540:2014-06 beschäftigt, in der das englische PINK auftaucht, war die Heiterkeit auch zu etwas nützlich. :hello:
     
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